Dienstag, Mai 21, 2013
Textildesign Austausch Teil II in Schweden

deutschland_schwedenJetzt sind J. und ich schon drei Wochen in Schweden.
Ich verlaufe mich nicht mehr im Schulgebäude und die günstigsten Lebensmittelregale sind auch schon vertraut.
Vielleicht lasse ich die Zeit hier noch einmal Revue passieren. Wir sind ca 16 h gefahren. 1 Stunde davon hat uns der dänische Stau gekostet. Wir haben insgesamt 70 € Brückengebühr für die A/S Storebealt und Oresundsbron bezahlt. Beide Male haben wir gebangt, nicht gefilzt zu werden, weil das Auto überquoll vor Bettdecken, Küchenutensilien, Essen, Technik und anderem Kleinkram.
In Borås angekommen haben uns Åse und Fredrick sehr nett empfangen. Die Wohnung war mit allem Nötigen ausgestattet, ein Straus Tulpen und eine Schale mit Apfelsinen und Äpfeln stand auf dem Tisch. Den nächsten Morgen ging es aber um 9 Uhr schon weiter. Da wir an dem ersten Instruktionstag noch nicht in Schweden sein konnten, hatten wir an diesem Montag viel zu tun. Aber unsere Auslandskoordinatorin hat sich wirklich gut um alle Zuspätkommer gekümmert.
Im Laufe der ersten Woche bekamen wir also eine Menge Karten und Nummern, die wir uns merken mussten. Uns wurden Banken empfohlen, von denen die Schwedenbank am besten scheint. Wir hatten unsere ersten experimentellen Strickkurse, einen Fotocrashkurs und Schwedischstunden. Jag heter ... Vad heter du? SMILEYS_WINK Jörn ist schon voll in seinem Kollektionsprojekt eingebunden und mein Hauptkurs wird hoffentlich bald starten. Diese Zeit war eine reinste Achterbahnfahrt. Mal kotzte einen alles an, weil es einfach zu viel ist, dann war man wieder +überglücklich, weil man wieder was abhaken konnte und im nächsten Moment war wieder alles schlimm, weil ja doch noch so viel zu erledigen war.
Wir hatten auch Zeit uns Borås vertraut zu machen und wir haben festgestellt, dass diese kleine verträumte Stadt einfach toll ist. Kleine Läden und Einkaufsstraßen in der Mitte, viele Parkanlagen und ein großes billiges maxi Einkaufszentrum am Rand der Stadt, aber ganz in der Nähe unserer Wohnung. Es ist einfach alles ein Traum. Der Weg zur Schule: 3 Minuten zu Fuß. Zur Biobo, Hauptgebäude und zum Schwedischkurs ca. 20 min.
In der zweiten Woche gab es einen ziemlich kalten und stürmischen Wintereinbruch mit 'ner Menge Schnee. So stellt man sich Schweden vor. Aber alle Schweden behaupten, dass das nicht normal sei. Sogar das Meer sei zugefroren. Also starteten wir dieses Wochenende eine Tour zur Westküste nahe Göteborg, bei Hästevik. Es war Wahnsinn. Das Meer war wirklich zugefroren. Wir sind die Küste entlang gelaufen, auf dem zugeschneiten Eis. Dann kam eine kleine Familie und fing an den 30 cm hohen Schnee vom Eis zu schieben. Als wir vorbeigingen, rief uns der Vater etwas zu. Wir haben nur gelächelt und genickt. Wir wollten doch eigentlich Schlittschuh fahren, also haben wir uns überwunden und sind auf die Familie zugegangen. Ich habe versucht mich an unsere ersten Schwedischkenntnisse zu erinnern und meinte. Vi kommer från Tyskland. Und da war ihm klar, warum wir nicht geantwortet hatten und kam zu uns. Wir fragten ihn, wo wir Schlittschuhe ausleihen könnten und er drückte uns seine Autoschlüssel in die Hand und meinte im Kofferraum würde noch ein Paar liegen, dass Jörn passen könnte. Wir waren überwältigt von seinem Vertrauen. Als wir mit den Schuhen zurück zum Eis kamen, hatte er schon ca. 20 qm Eis freigeschaufelt. Wir haben uns über viele Sachen unterhalten, nur seinen Namen wissen wir leider nicht. Später kam seine Frau und brachte auch mir ein Paar Schlittschuhe mit, nachdem sie nach meiner Größe gefragt hatte. Wunderschön! Wir sind geschlittert bis zum Sonnenuntergang.
Den nächsten Abend haben wir die Sauna von unserer Gastfamilie ausprobiert und das auf Schwedisch. Das heißt, zum Abkühlen raus in den Schnee. Es war grausig! Alles tat weh. Beim zweiten Mal habe ich mich ganz in den Schnee fallen lassen. Und es hört nicht einfach auf zu brennen, wenn man wieder steht und ins Haus zurück rennt. Der Schnee klebt an der Haut, brennt, brennt und hört nicht auf und ich sah aus wie ein frisch gekochter Hummer. Wieder eine Nacht mit traumhaftem Tiefschlaf.
Autor: Annika