Mittwoch, September 08, 2010

Zohan. Leg dich nicht mit Zohan an.

zohan_legdichnichtmitan
Genre: Komödie
Kinostart: 14.08.2008
Besucher: 1.002.411 in 2 Wochen
Zohan ein erfolgreicher super Antiterrorsoldat versucht auszusteigen und in New York Friseur zu werden. Dort vergnügt er sich im Friseursalon an älteren Damen und ergattert schließlich die Schwester von seinem palästinensischen Erzfeind. Doch ein Wunder geschieht und er kämpft mit den New Yorker Palästinensern gemeinsam gegen einen Immobilienkapitalisten.

Film ansehen oder nicht ansehen? Wenn du nachstehenden Kommentar durchlesen und verstehen kannst, dann gehörst du nicht zur Zielgruppe des Films.
Da der Film so ein brisantes Thema wie den Israeli-Palästinenser-Konflikt betrifft, kann man die politische Brille nicht ablegen. Offensichtlich handelt es sich um einen Film, der das Ansehen der israelischen Armee, hier ein Antiterror-Geheimagent, aufwerten soll. Zielgruppe sind junge Männer im wehrfähigen Alter, die mit sich nichts anzufangen wissen. Gezeigt wird, wie alle Frauen scharf auf den Antiterrorsoldaten sind und wie leicht es sich Gewehrkugeln ausweichen lässt. Außerdem ist so ein Antiterrorsoldat immer auf der Gewinnerseite, und der Held bekommt vom „Feind" natürlich die schönste aller Palästinenserinnen ‚rum‘. So etwas könnte man auch als Offiziersmatratze bezeichnen. Hier, auf Seiten des stärkeren Arabers (einem Israeli) dient es aber dem Zeigen guter Absichten: Seht her, wir nehmen uns nicht nur die Frau vom Feind. Nein wir nehmen sie uns sogar zur Ehefrau. Da werden die Palästinenser über diese frohe Friedensbotschaft sicher freudig in die Zukunft sehen. Welch ein Lacher. War es in Kriegszeiten nicht schon immer das Ziel des Stärkeren die Frauen des Gegners zu entwürdigen? Gottgleich schafft es Zohan natürlich die Zuneigung der Frauen und die Zustimmung der hier hirnamputierten Palästinenser zu gewinnen. Das ist wirklich zum Schreien komisch, wenn man die gegenwärtige Situation im Gazastreifen kennt.
Der israelische Superheld Zohan ‚rammelt‘ alles durch, was ihm in den Weg läuft. Natürlich hat er zwischen den Beinen den allergrößten ‚Busch‘. Palästinenser werden als dümmliche Hinterwüstler dargestellt. Wer darüber lachen kann, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann einige Kinobesucher Sprengstoffgürtel tragen. Der Film enthält lauter rassistische Stereotypen, die sämtlichen antirassistischen Schulunterricht der Nachkriegsjahre zunichte machen. Man könnte die überzogenen Darstellungen als Parodie verstehen, wenn die Zielgruppe des Films wüsste, was das ist. Viele werden stattdessen über die Stereotypen lachen, weil sie ihre Meinung bestätigt sehen. Oder, weil sie es wirklich komisch finden, wie ein israelischer Antiterrorkämpfer mit seinem dicken Busch in der Hose alle Palästinenser platt macht.
Eine andere Frage ist, warum hier in Deutschland der ‚intellektuelle Wächterrat ‘ nicht aufschreit. Hingenommen wird die Darstellung eines ewig lüsternen, überheblichen, israelischen Machos, der sich einfach nimmt was er will. Warum werden hier rechtsradikale Vorurteile deutschlandweit auf der Kinoleinwand hingenommen? Wozu darf hier wieder gelacht werden? Und warum sind plötzlich alle Redaktionen gleichzeitig still. Wer hat da sein Jawort zu dem Film gegeben?
Der Film kommt gerade 3 Wochen nach dem Besuch von Barack Obama zur richtigen Zeit. Barack Obama hat ja europäische Unterstützung im Antiterrorkampf verlangt. „Die Risiken müssen aufgeteilt werden". Berlin jubelt. Bei dem Superheldengetue im Film und dem gleichzeitigen Versprechen auf die schönsten Frauen braucht man nicht lange nachzurechnen, dass hier in Deutschland junge Männer mit islamischen Migrantenhintergrund angesprochen werden sollen. Ist das der Grund, warum es keine kritischen Kommentare zu lesen gibt? Wer lernunwillig ist, wird hier in Europa sowieso nicht gebraucht und wäre zur ‚Aufteilung der Risiken‘ an anderer Stelle in dieser Welt als zivilisierter Moslem gut zu gebrauchen. Da so ein Antiterrorkampf (Moslem gegen Moslem) eine Ehe von Dauer sein wird, können diese bildungsfernen Helden ja auch gleich in den umkämpften Gebieten bleiben und dort ihre Familien gründen. Das bezeichnet man im weißen Haus als Change /Wechsel /Veränderung. Ob der zukünftige Präsident von Amerika nun schwarz oder weiß ist. Die Ziellinie ist klar: Auch Europa soll mal wieder bluten. Zu bezahlen sind der Irakkrieg, die gepfefferte Bankenkrise und der 'Aufbau Nahost mit seinen Weiterbildungsmaßnahmen'. Ein schwarzes Gesicht kann das sicher unauffälliger durchsetzen.
Der Film ist gedacht für die zukünftigen Nahostfrontsoldaten. Wer das prima findet, schickt uns sicher ein paar kopftuchlose Urlaubsbilder. Vielleicht gelingt ja ein Schnappschuß, wenn etwas so schön prickelt und explodiert auf 'den' Bauchnabel.
Ehrlich gesagt werden durch einen 'Risiko-Change' einige soziale Probleme in Deutschland gelöst und deshalb endet die Filmkritik hier. In diesem Sinne ein Hoch auf Zohan Obama, oder wer auch immer Präsident der USA wird. Lassen wir uns überraschen, welche weiteren Kriege-machen-Spaß Filme in den kommenden Jahren auf uns einhämmern werden. (G.Braun)
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