Drei Frauen mit unterschiedlichen Einstellungen lieben in Katalonien einen gutausehenden Maler mit Dreitagebart bei romantischen Gitarrenklängen.



Die Affären hier sind ein flüchtiger Fussabdruck am Strand. Das besondere dieser 3 typischen Frauen ist, wie sie jede auf ihre Art die Romantik verpassen. Alle Drei haben ein Konzept, was sich nicht erfüllen kann. So zerreden sie den Zauber der Liebe durch ihre sich selbst auferlegten Erwartungen.


Und so gibt es in diesem Film auch keinen wirklichen Zauber, eher ein sich Wundern. Ist das sehenswert? Woody Allen stellt die Frage anders: Ist das lebenswert?
Wir wollen heute Manager in eigener Sache sein. Für den großen Plan unseres Lebens, verschieben wir tiefere Beziehungen auf den Sankt Nimmerleinstag.
Es gibt schöne Sätze in diesem Film: "Analysiert ihr immer gleich jede spontane Inspiration bis jedes Fünckchen Anmut erloschen ist?"
Oder: "Ich meine, die Stadt ist romantisch. Es ist eine laue, warme Nacht. Wir leben. Ist das nicht Bedeutung genug?"



Heute ist diese schlichte Romantik für eine junge Frau, mit ihren 1001² Wünschen, zu wenig. Und so verhallt Woody Allens Wink mit dem Zaunpfahl an die abgeklärten Frauen mal zwischendurch 'ohne Konzept und Plan' zu leben, völlig ungehört.

Die intellektuelle Doug macht nur kurzfristig eine Wende und das Gerede ihres zukünftigen Mannes ist plötzlich nur eine leere Verpackung. Hohl, weil er das 'eine Gefühl des Augenblicks' ihr nicht vermitteln kann: Das planlose vorhanden Sein. Zum Ende hin fährt sie schon wieder auf ihren Gleisen.
Dieser Film kann nur von einem gealterten Woody Allen kommen, der weiß, dass die Konzepte, die man sich als junger Mensch macht, oft nur Luft sind. Erwartungen an das Leben verwehen schon bei dem lauesten Sommerwind.
Die Frage ist, ob der Film verstanden wird. Dafür ist der Film aber zu seicht. (g.Braun)
Woody Allen hat es gut. Seit Jahrzehnten besteht seine Arbeit darin, mit wunderschönen Frauen Filme über die Liebe zu drehen und, als wäre das nicht genug, jetzt tut er es auch noch im wunderschönen Barcelona.
Die schönen Frauen sind die beiden Amerikanerinnen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson), sowie Maria Elena (Penélope Cruz), die Ex-Frau des katalanischen Künstlers Juan Antonio (Javier Bardem), der das Klischee des charmanten Latin Lovers perfekt verkörpert, dem natürlich alle drei Feen erliegen müssen.
Da wir gerade von Klischees sprechen: Natürlich spielt Woody Allens neue Muse Scarlett Johansson die süsse Blondine, die, immer offen für ein neues Abenteuer, die Beziehungen ebenso schnell beginnt wie beendet, ohne sich große Gedanken zu machen, natürlich spielt Rebecca Hall die ernsthafte vorausplanende Verlobte eines reichen Börsenmaklers, die dann aber doch durch den Charme des katalanischen Künstlers (natürlich mit Dreitagebart) aus der puritanischen Fassung geworfen wird, natürlich spielt Penélope Cruz das feurige spanische Temperamentsbündel, zum Schluss sogar mit dem Revolver um sich schießend, und natürlich besteht Spanien aus den Bauten des begnadeten Architekten Gaudí (herrlich fotografiert von Kameramann Javier Aguirresarobe) und Spaniern die in der Abenddämmerung melancholisch die Gitarre zupfen.
Nichts gegen Klischees, wenn man damit spielt und sie so herrlich bricht wie Dany Boon mit seinem erstaunlichen „Willkommen bei den Schti´s". Leider ist „Vicky Cristina Barcelona" davon genauso weit entfernt wie Katalanien von der Normandie, und so schleicht sich dem geneigten Woody Allen Fan nach einer Stunde das Bedürfnis an, auf die Uhr zu schauen.
Woody Allen wird alt. Das werden wir natürlich auch, aber wir müssen auch nicht jedes Jahr einen neuen Film schreiben und drehen, und dann merken´s wenigstens nicht alle.
So aber vermissen wir einmal mehr den typischen Woody Allen Stil, den ganz eigenen Mix aus Drama und Komödie, eine Story mit überraschenden Wendungen, mit Gefühl und Humor, voller Spannung und pfiffiger Pointen.
„Vicky Cristina Barcelona" hat davon so wenig, wie Woody Allen von Batman, und nach 96 langen Minuten würde man gerne wissen: „Why so serious ?" (M.Gerlach)| < Zurück | Weiter > |
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