Die Reise des chinesischen Trommle
Genre: Drama
Originaltitel: Zhan Gu/ The Drummer Deutschlandstart 01.01.2009 Taiwan 2007 FSK ab 12 Jahre 117 Min Schauspieler:
Jaycee Chan als Sid Tony Leung Ka Fai als Vater Kwan Angelica Lee als Hong Dou Roy Cheung als Ah Chiu Josie Ho als Sin Ruo-yu Liu als Lan Jie Kenneth Tsang als Stephen Ma Hei-Yi Cheng als Carmen Chih-chun Huang als Sifu Trommlergruppe: U-Theatre Musik: Andre Matthias
Regie: Kenneth Bi
Drehbuch: David Hare
Kamera: Sam Koa |
-Trommeln für Taiwan-
Sid führt das absolute Traumleben des modernen Teenagers. Er kreuzt mit dem teuersten Mercedes-Cabrio durch Hongkong, ist Drummer einer Rockband, ist ein echter Frauenschwarm und hat immer den neuesten Hit als Handyklingelton. Das alles kann er sich durch seinen Spitzenjob leisten, denn er ist von Beruf Sohn.
Sein Vater Kwan ist ein führendes Mitglied der Triaden von Hongkong, und als solches reich, mächtig und gefürchtet.

Da Sid sich darauf verlassen kann, dass sein Vater immer seine schützende Hand über ihn hält, hat er nichts als Unsinn im Sinn.
Und so kommt es, dass er sich eines Tages dann doch mit den falschen Leuten anlegt: Die schöne Carmen, mit der er Bett und Badewanne teilt, ist die Freundin von Stephen Ma, des einzigen Gangsters, der noch mächtiger als Sid´s Vater ist.
In seiner jugendlichen Unbekümmertheit lässt sich Sid nicht nur von Ma erwischen, sondern beleidigt ihn auch noch vor dessen Leibwächtern. Dieser Gesichtsverlust kann nur mit Blut geheilt werden:
Ma fordert von vom Vater Kwan die Hände seines Sohnes. Kwan schafft es jedoch, sein missratenes Söhnchen aus der Stadt zu schleusen. So findet sich der kleine König der großen Stadt unversehens in einem winzigen Kaff in den taiwanesischen Bergen wieder, wo er die nächsten Jahre versteckt bleiben soll.

Aus diesem Zentrum der Langeweile locken ihn die Klänge einer Zen-Trommelgruppe hinauf in die Berge. Bezaubert vom Klang ihrer Trommeln und den Augen der schönen Trommlerin Hong Dou, schließt er sich der Gruppe an und muss eine harte Lehrzeit durchstehen. So wird durch Steineschleppen, Tai-Chi und Kung-Fu in Verbindung mit der Musik aus dem unreifen Tunichtgut ein disziplinierter junger Mann, der seine Bestimmung gefunden hat.
Als Sid mit der trommelnden Truppe dann jedoch auf einer Konzertreise wieder nach Hongkong zurückkehrt, holt ihn die Vergangenheit mit Macht wieder ein, und er sieht sich im dramatischen Finale des Films erneut vor schwere Prüfungen gestellt.
„Die Reise des chinesischen Trommlers" ist eine Mischung aus Gangsterfilm, Musikvideo und spiritueller Selbsterfahrung, die ich so noch nicht gesehen habe. Kenneth Bi ist es tatsächlich gelungen, diese grundverschiedenen Genres zu einem interessanten Gesamtkunstwerk zusammenzufügen. Nicht zuletzt durch den genialen Schnitt, der sowohl den schnellen Bildern des hektischen Hongkongs, wie auch den langen langsamen Einstellungen der taiwanesischen Bergwelt perfekt angepasst ist.

Zusammengehalten werden diese verschiedenen Welten durch den Hauptdarsteller Jaycee Chan, der uns und seinem berühmten (Über-)Vater Jackie Chan zeigt, dass er sich zu einem ernst zu nehmenden Schauspieler entwickelt hat, sein Filmsatz: „Ich war lange der Sohn meines Vaters, jetzt bin ich Ich!" hat für ihn sicher weitergehende Bedeutung. Auch der Rest des Ensembles ist hervorragend, besonders Tony Leung Ka-Fai spielt die Rolle im Zwiespalt zwischen stahlhartem Gangster und liebendem Vater brillant. Ebenso begeisternd sind die Auftritte der taiwanesischen Percussion-Künstler „U-Theatre", die eindrucksvollen Bilder der durchtrainierten, perfekt synchron funktionierenden Trommler gepaart mit den fast schon hypnotischen Rhythmen ziehen einfach jeden in ihren Bann. Auch der restliche Soundtrack von André Matthias passt hervorragend.
Regisseur Bi hat einen spannenden, teilweise harten, teilweise durchaus humorvollen Multi-Genrefilm fabriziert, der jede einzelne Minute gute Unterhaltung bietet und nahezu für jeden Kinogänger geeignet ist, Martial-Arts Kampfszenen darf man allerdings nicht erwarten. Die Freigabe ab 12 ist mir zu früh, ab 14 Jahren geht´s.
4 Sterne
(M.Gerlach)