Genre: Komödie FSK ab 50 , 98 Min Regie: Woody Allen Originaltitel: You Will Meet A Tall Dark Stranger USA 2009 Darsteller: Gemma Jones als Helena Pauline Collins als Cristal Lucy Punch als Charmaine Josh Brolin als Roy Anthony Hopkins als Alfie Kelly Harrison als Personal Trainer Naomi Watts als Sally Freida Pinto als Dia Antonio Banderas als Greg mehr Info s. unten. Trailer in der Mitte Woddy Allen zeigt seinen Fans, den alten Schmetterlingen (ab 50), die kleinen und persönlichen Illusionen in ihrer Lächerlichkeit. Mit selbst inszenierten Träumen springen wir als Tiger los und landen als Putzkolonne in einem großen Theater der Illusionen.
Darüber kann man schwer lachen. Wer doch, hat das Glück mit seinem Alter im Reinen zu sein.
Woody Allen kommt in die Jahre und seine Fans und Darsteller auch: Der Film ist ein 'Draufblick' mit Niveau. Er ist nichts für junge Menschen, die noch ihr Glück suchen, was ja nur natürlich ist.
Der wohlhabende Alfie (das Alphatier) hat das Rentenalter erreicht, fühlt sich aber viel zu jung, um den Gruftie auf dem Sofa zu spielen. Da seine Frau Helena das ganz anders sieht 'du bist doch keine 21 mehr', trennt er sich von ihr, kauft sich einen kleinen Sportwagen und geht ständig ins Fitness-Studio. Dank spezieller Pillen und 500 englischen Pfund lernt er die junge „Schauspielerin" Charmaine (die Betörende) kennen.
Doch „das Einzige, was sie schauspielen kann, ist ihren Höhepunkt. Da klappt also noch was und Alfie verliebt sich sofort in sie. Sie verliebt sich auch; zwar nur in sein Bankkonto, aber das reicht ja für eine Liebesheirat vollkommen aus. Leider, wie zu erwarten war, hält das junge Glück nicht allzu lange.
Alfies Ex-Frau Helena ist derweil frustriert, deprimiert und einsam. Das lässt sie an ihrem Schwiegersohn Roy und ihrer Tochter Sally aus, worauf Sally ihre Mutter zu einer Hellseherin schickt. Diese prophezeit ihr das Glück in Gestalt des Mannes ihrer Träume dem ‚Tall-Dark-Stranger'. Und mit ein paar Gläsern Single-Malt, ist sie wieder glücklich.
Ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter Sally, die sich von ihrem erfolglosen Mann Roy trennt und ihrem schon lange angehimmelten Chef ihre Liebe gesteht, was leider komplett in die Hose geht. Der lange erfolglose Schriftsteller Roy wiederum steht endlich kurz vor seinem Durchbruch, was er aber nicht seiner schönen Gitarre spielenden Nachbarin verdankt (Freida Pinto spielt Dia), sondern dem tödlichen Unfall seines besten Freundes, dessen Manuskript in Roy´s Händen ist. An dieser Stelle nimmt der Film deutlich Fahrt auf, doch leider gönnt uns Woody Allen nur einen kurzen Zwischenspurt, bevor er wieder ins Schritttempo verfällt. Ja, der Film ist langsam, nicht wirklich langweilig, aber es fehlen die witzigen Dialoge, die zündenden Pointen, die man in einem Woody Allen Film erwartet. Zu sehr verlässt sich der Meister auf die ironischen Effekte seines Plots, mit denen er seinen Figuren übel mitspielt. Der harmloseste Gag ist noch der, dass sich der große dunkelhaarige Fremde für die Mutter Helena als kleiner dicker Glatzkopf entpuppt. Alle anderen Darsteller lässt Allen nur kurz auf der sonnigen Seite der Straße tanzen, bevor er des Schicksals Unwetter auf sie herniedergehen lässt.
Ins Bild gesetzt ist das alles gewohnt perfekt von Allens Lieblingskameramann Vilmos Zsigmond, auch die schauspielerische Leistung des hochkarätigen Ensembles ist natürlich virtuos. Doch auch uns Zuschauer verschont Woody nicht mit seiner Ironie: Gerade als der Film sich unaufhaltsam auf ein dramatisches Finale hin entwickelt, endet er plötzlich im Nichts. Ätsch. Für mich übertreibt es Woody Allen mit dieser Über-Ironie ein wenig.
Es bleibt ein unbefriedigtes Gefühl zurück, und das mag ich überhaupt nicht. Der große Meister bietet uns das kleine Drama, perfekt inszeniert, mit einigen gelungenen Momenten, jedoch im Abgang zu flach.
Woody Allen hat sich entwickelt und er nimmt sich neuer Tabus an: Das Alt-werden und das Jung-geblieben-sein mit den ewig gleichen, hilflosen Illusionen.
Helena galt in der Überlieferung als die schönste aller Frauen. Jeder Mann, der sie nur einmal gesehen hat, wollte sie sofort besitzen und ihretwegen wurde der Krieg um Troja begonnen. Die Schönheit Helena's ist im Film die alternde, verunsicherte Frau, die verlassen wird und etwas die Kontrolle über sich verliert. Und wenn nun eine Wahrsagerin der alternden 'Helena' sagt, "Ich sehe, den Mann deiner Träume" oder besser " You Will Meet A Tall Dark Stranger" (du wirst einen großen dunklen Fremden treffen), dann spürt man diesen kleinen Humor, wenn man weiss, 'Der große dunkle Fremde' steht im allgemeinen für den Mister Tod, den Sensenmann. Helena jedoch ist von sich so betört, dass sie nicht an den Sensenmann, sondern an eine neue Liebe glaubt. Ein kurzer Blick auf das Hauptplakat bestätigt die Illusion. Aber tatsächlich hilft ihre neue Illusion einen neuen Mann kennenzulernen. Und das Schauspiel kann weitergehen.
Woody Allen und seine Fans gehören zu der ersten Generation in der Menschheit, die aufgeklärt und relativ frei und wohlhabend 'alt' werden können. Sie sind Vorreiter dieses Lebensstils und haben keine Vorbilder. Sie experimentieren mit ihrer Rolle als Alte, wie kleine Kinder. Sein Verdienst ist es, diese ersten Versuche, uns mit Humor zu erleichtern. Man könnte den Film auch als heitere Tragödie bezeichnen.
Der Film beginnt mit einem Satz von Shakespeare: "Das Leben ist voller Lärm und Raserei. Letztendlich aber bedeutungslos".
3 Sterne für betagte Woody-Fans, 0 für Generation-Praktikum
Zitat Filmende: So "ungewiß und schmerzvoll, wie das Leben ist, stellt sich ja die Frage, 'wie überstehen wir das'? ... Nun, 'manchmal wirken die Illusionen besser, als die Tabletten'.
Diese Künstler : waren an diesen Filmen beteiligt:
Naomi Watts: Fair Game, The International, King Kong Anthony Hopkins: Schweigen der Lämmer, Dracula, Nixon, Josh Brolin Wall Street 2 Antonio Banderas: Zorro, Das Geisterhaus, Evita Freida Pinto: Slumdog MillionaireStraßen von San Francisco, Wall Street, Black Rain, Fatal Attraction