So was wird heute nicht mehr gebaut
| Genre: Thriller, Action, Drama Originaltitel: Gran Torino Kinostart D:05.03.2009 FSK: ab 12 / 116 Min. USA
Schauspieler: Clint Eastwood als Walt Kowalski Bee Vang als Thao Ahney Her als Sue Christopher Carley als Vater Janovich Brian Haley als Mitch Kowalski Geraldine Hughes als Karen Kowalski Brian Howe als Steve Kowalski Doua Moua als Spider Scott Eastwood als Trey Regie: Clint Eastwood Produzenten: Clint Eastwood, Bill Gerber, Robert Lorenz Drehbuch: Nick Schenk Kamera: Tom Stern Schnitt: Joel Cox, Gary Roach Musik: Kyle Eastwood, Michael Stevens
Offzielle Seite: warnerbros.de/grantorino |
„Gran Torino" ist keine Sekunde langweilig, hat ein paar sehr gute Pointen, bietet mehr als reichlich Stoff zum Nachdenken, zeigt tolle Schauspieler in perfekten Bildern, eingerahmt von guter Musik: ein verdammt guter Film. ...
In Walt Kowalskis Welt ist jedes nette Wort sowieso gelogen, und bei seiner Familie liegt er damit gar nicht mal so falsch. Nachdem seine Frau gestorben ist, gibt es auf dieser Welt nur noch zwei Wesen, die ein freundliches Wort verdient haben: sein treuer alter Labradorhund Daisy und sein blitzblank gewienerter 72´er Ford Gran Torino.
Allen Anderen begegnet er mit der Liebenswürdigkeit eines Grizzlys mit Zahnschmerzen, und das Vergnügen auf dieser Erde zu wandeln endet für menschliche Wesen an der schnurgeraden Kante von Kowalskis Rasen, über dem die amerikanische Flagge weht.
Seine Mimik besteht vor allem aus drei Ausdrücken: Sauer, richtig sauer und jetzt aber wirklich sauer.
So kann man sich unschwer seine Begeisterung für seine neuen Nachbarn aus Laos vorstellen, deren reiches Familienleben er mit der vielleicht politisch nicht ganz korrekten Bemerkung kommentiert: „Wie viele Sumpfratten passen denn da noch rein?"
Als eines Abends auf seinem Rasen eine Schlägerei zwischen seinen Nachbarn und einer Gangsta-Truppe beginnt, ist für Kowalski der Augenblick gekommen, seine achtschüssigen Andenken aus dem Koreakrieg wieder hervor zu holen und für Ordnung zu sorgen.
Die darauf folgende Dankbarkeit seiner Nachbarn ist überwältigend, und vor allem der cleveren Tochter Sue gelingt es, mit unwiderstehlichem Charme den rassistischen Miesnitzer mit ihrer großen Familie und dem Volk der Hmong vertraut zu machen.

So kommt man sich näher, Kowalski entwickelt tatsächlich so etwas wie Zuneigung zu Thao und Sue, und die besten Voraussetzungen für ein trauliches Happy End in Friede, Freude und Völkerverständigung sind geschaffen.
Aber davor bewahrt uns Clint Eastwood glücklicherweise, denn „Gran Torino" bietet noch eine Menge Eskalation, Spannung und Dramatik bis zum bitteren Ende.

„Gran Torino" ist ein Film wie eine gute alte amerikanische Kurzgeschichte: Ein Mann, sein Hund, sein Gewehr, eine Story, die um nichts Geringeres als die Bedeutung von Leben und Tod geht.
Mann, hätte Ernest Hemingway diesen Film geliebt!
Wieder einmal hatte Eastwood bewiesen, dass er vor und hinter der Kamera in zwei Stunden eine Geschichte erzählen kann, für die andere Tage brauchen, und es ist wirklich ein Jammer, dass dies seine letzte Rolle gewesen sein soll.

Er erzählt auf seine lakonische Art unendlich viel über die USA unserer Tage: das Gefühl, das sich alles zu schnell verändert, dass die alten Werte verloren gehen, dass die Heimat der Tapferen zur Heimat des Chaos wird. (Es ist schon geradezu atemberaubend prophetisch, dass sich diese filmische Parabel mit dem Drehbeginn Anfang 2008 ausgerechnet um einen Ford in Detroit dreht.)
Auf seine alten Tage will Eastwood sich nur noch mit den ganz großen Themen beschäftigen: Familie, Gewalt, Krieg, Verlust, Glaube und Menschlichkeit, und womit nahezu jeder andere sich verheben würde, ihm gelingt es. 5 Punkte Michael G.Sie können einen Trackback für diesen Artikel hinterlassen, indem Sie diesen
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