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Genre: Drama, Literaturverfilmung Schauspieler: |



Wer sich noch an seine Teenager-Lieben und -Leiden erinnern kann, der erahnt, dass ihn dieses Ende ohne Erklärung, dieses plötzliche Entschwinden seiner Liebe ins Nichts ohne jegliche Vorwarnung trifft, wie ein 20-Tonner ein fröhliches Reh.
Von diesem ersten Schlag wird sich seine Gefühlswelt nie erholen, er ist während der restlichen Schulzeit und seines Studiums unfähig eine echte Beziehung aufzubauen.

Der zweite Schlag trifft ihn 8 Jahre später. Beim Besuch einer Gerichtsverhandlung im Rahmen des Studiums sieht er Hannah wieder. Sie ist eine von sechs Frauen, die schwerster Verbrechen angeklagt sind. Und ihm wird plötzlich unerwartet klar: Seine erste große Liebe war eine Verbrecherin. Entsetzt und gefesselt verfolgt er jeden Tag des Prozesses, in dessen Verlauf sich Hanna durch ihr gradliniges, aber ungeschicktes Auftreten in eine immer ausweglosere Lage bringt. Kurz vor Ende der Verhandlung entdeckt Michael ihr Geheimnis. Hanna hat es über ihr ganzes Leben sorgfältig gehütet, und hätte aber damit den Schlüssel zu ihren Taten und zu einer ansehnlichen Verringerung ihrer Strafe in der Hand.
Nun steht er vor der essenziellen Frage: Dürfen wir die Würde eines Anderen verletzen, um Gutes für ihn zu bewirken, auch wenn er das nicht will?
Michael schweigt. Und während ihre Mitangeklagten mit 4 Jahren Gefängnis bestraft werden, bekommt Hanna lebenslänglich. Einige Jahre vergehen. Michael ist erwachsen -jetzt gespielt von Ralp Fiennes (sprich Feins)- und Hanna, oder vielleicht auch sein schlechtes Gewissen, geht ihm nicht aus dem Kopf. Und so liest er ihr wieder vor, indem er die Bücher von damals auf Kassetten spricht und ihr diese ins Gefängnis schickt. So ist er wieder ihr treuer Vorleser. Bis zu Hannas Begnadigung nach 22 Jahren, die das dramatische Ende ihrer Beziehung bedeutet.
Kommen wir zur Gretchenfrage der Literaturverfilmung: Ist der Film so gut wie das Buch? Nein, er ist besser! Regisseur Stephen Daldry hat einen fabelhaften Film geschaffen, der sich sehr eng an die Vorlage von Bernhard Schlink hält. Diese Vorlage aber bei Weitem übertrifft mit seinen wunderbaren Bildern und den exzellenten Schauspielern Kross und Fiennes und vor allem der unglaublichen Kate Winslet. Sie verkörpert perfekt eine Hanna, die ebenso fröhlich und ausgelassen wie auch unnahbar und versteinert wie eine Statue sein kann. Dabei belässt sie immer einen undurchsichtigen Kern, den sie auf keinen Fall preisgeben will.
Leider lässt der Film zum Ende hin etwas nach. Wenn Michael und Hanna nicht im selben Raum sind, fehlt die ausschlaggebende Spannung. Ganz daneben ist die Schlussszene, die den Film wohl hollywoodtauglich machen sollte. Dennoch großes Kino, ein Film voller dramatischer Wendungen, über den man lange kontrovers diskutieren kann.
Bestens geeignet für verliebte Paare und Jura-Studenten.
5 Sterne
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