Freitag, Mai 18, 2012
Filmaktuell Berlinale 2012 Gewinner Bären


Zusammenfassung vorweg:
Wer nicht krank werden darf, kann sich folgende Filme ansehen:
Sister (schweizer, junger Dieb mit Schwester)
En Kongelig Affære (Affäre und Kostüme) wahrscheinlich bester Film mit Weltklasseniveau
Barbara (Ost Erfahrung mit Gitarrenmusik)

Ebenso vorweg auch ein Link einer Sammlung
liebevoll erstellter Filmkritiken zu den Berlinale 2012 Filmen

Und nun die Einzelheiten:

cesar-must-dieDen Goldenen Bären bekommt der Film 'Cesar Must Die' von den Brüdern Paolo und Vittorio Taviani (ital: CESARE DEVE MORIRE)

Die Leistung ist die Konzeption des Films, indem der Inhalt von Shakespeares Theaterstück  'Cäsar/Cesar' in das moderne Medium Film übertragen wird. Den Brüdern Taviani ist es gelungen unter dem Deckmantel einer sozialtherapeutischen Maßnahme die Aktualität von Shakespeare mit dem Blick auf die italienischen mafiösen Strukturen zu beweisen.


 Die Taviani-Brüder sind vorerst journalistisch an das Thema Shakespeare herangegangen und haben sich gefragt, wo die größten Übereinstimmungen in der modernen Welt zu dem Theaterstück gelebt werden. Bei Shakespeare geht es meist um Verrat, Betrug, Mord und tragische Liebesgeschichten oder Ehre in mafiösen Strukturen. Und so fanden sie, dass der beste Ort ein italienisches Gefängnis ist. Und sie haben sich entschlossen, auch die Rollen von Insassen spielen zu lassen. traviani Brüder

 Wenn z. B. ein Gefangener spielt und sagt, "ich habe Cäsar umgebracht" und darunter leiden soll, so hat man dem Gefangenen auch angesehen, dass er tatsächlich an seiner Tat leidet. Dieser Schauspieler ist inzwischen wieder auf freiem Fuß und war auf der Pressekonferenz. Andere sind immer noch im Gefängnis.

Die Schauspieler, hier die Insassen begreifen sich in dem Moment, wo sie die Rolle einüben sich selber neu. Therapeutisch ist das nur bedingt. Denn mit der Kunst haben die Insassen eine neue Dimension des Lebens kennengelernt, ein neues Denken. Und so wird ihnen über die Kunst erst recht bewusst, was eine Zelle für Einschränkung mit sich bringt.

Warum aber ist der Film am Anfang schwarzweiß gehalten? Das Schwarz-weiße sollte unwirklich wirken. Weil am Anfang des Films die Situation im Gefängnis unwirklich war.

Mir scheint der Preis wurde auch vergeben, weil man den sozialen Ansatz 'die Aufmerksamkeit auf sozial ausgegrenzte Menschen zu richten' belohnen wollte.
Vonseiten der Taviani Brüder wird aber der Ort des Gefängnisses und Gefangene als Schauspieler zu nehmen eher als stilistisches Mittel dargestellt, um Shakespeare bestmöglich im Film umzusetzen. Im Film erfährt man auch wenig über die Gefangenen. Es ist keine Dokumentation über Gefängnisse.

Man irrt also, wenn man meint, der Film wurde wegen einer sozialtherapeutischen Idee prämiert. Ja man würde den Film durch eine psychologische Sichtweise verlächerlichen.  
Den Brüdern Taviani ist es gelungen unter dem Deckmantel einer sozialtherapeutischen Maßnahme die Aktualität von Shakespeare mit dem Blick auf die italienischen mafiösen Strukturen zu beweisen. Der Ort eines realen Gefängnisses, in dem viele Insassen wegen mafiöser Morde sitzen und die Verwendung der dortigen Dialekte, legt den Eindruck nahe, als würde sich seit 2000 Jahren nichts verändert haben.  Insofern ist der Film ein geschickter Schachzug alter Herren und Fingerzeig auf die italienischen mafiösen Strukturen, die die Wirtschaft Italiens lähmt. Für die italienischen Behörden ist dieser goldene Bär eher ein ärgerlicher Preis und die Entscheidung der Jury erweist sich als mutig.

Der Silberner Bär geht an

Just The Wind / Csak A Szél

Regie, Buch: Benedek Fliegauf. 
Ein Film über die Progromstimmung in Ungarn gegen die Roma. Ein leiser, schreiender Film mit Elend, Rassismus und Rohheit. Der Film wirkt durch die Kameraführung, die dicht an den Personen ist für manche Menschen interessant. Wem schon lange nicht mehr schlecht im Magen war und das braucht, wird den Film mögen.
Meine Meinung: Das eigentliche Problem ist nicht Rassismus, sondern Fressneid in Ungarn. Lösung: Telefonleitung nach Brüssel legen. Gründung einer Roma-Bank.



SILBERNER BÄR - BESTE REGIE
Barbara webt

Christian Petzold für den Film Barbara.

Kinostart: 8. März

Ort DDR 1980 aber kann man sich ansehen. Wird interessant sein. 

Der Film fragt "Wie fühlt es sich an, wenn man nicht mehr weiß, wem man noch vertrauen kann? Wenn man fremd ist im eigenen Land und eigentlich schon weg .." 
Auf dem ersten Blick fällt einem auf, dass die Haarfrisuren nicht stimmen. Damals trug man fettig gekämmt. Die Menschen im 'Osten' wirkten damals eher alle gestört und sahen krank aus. So ein selbstbewußtes Stehen oder Gehen, womit man hätte auffallen können, gab es auch nicht, denn das war gefährlich.
Aber man kann vielleicht auch froh sein, dass der Film die Wirklichkeit nicht vollkommen eingefangen hat, denn sonst würde ihn sich niemand ansehen. 
So ist er leicht verdaulich und für die Spätgeborenen ein Einstieg in den Schwachsinnsstaat. Für die Dabeigewesenen ist es die Möglichkeit sich etwas schön zu denken. 


Jetzt gibt es noch weitere Silberne Bären

für die Beste Regie, Darstellerin, Darsteller, herausragende künstlerische Leistung (hier Kamera), Drehbuch, einen ALFRED-BAUER-PREIS für neue Perspektiven der Filmkunst und einen Sonderpreis Silberner Bär.

Folgende Filme bekamen also auch Silberne Bären - Preise. Soweit ich weiss, sind die Bären alle handgemacht. Hier mal ein Lob auf die Bärenmacher!

Rebelle mit der Darstellerin Rachel Mwanza
Kongo, Bürgerkrieg, Kindersoldaten und das ganze schreckliche Programm. Geeignet für Ärztinnen ohne Grenzen, Politikstudenten. 

En Kongelig Affære(Die Königin und der Leibarzt)
mit dem Darsteller Mikkel Boe Følsgaard
und das beste Drehbuch hierbei für Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg
Toller Film mit schönen Schauspielern, Kostümen und einer Affäre. 


Bai lu yuan (White Deer Plain) an der Kamera Lutz Reitemeier
Das wird ein ansehbarer Film sein. Chinesisches Kaiserreich, Kostüme, Frauengeschichten. Wenn der Filmverleih sich noch einen Namen einfallen lassen könnte, den man sich merken könnte oder den man verstehen kann. Was soll das sein .. White Deer Plain. Kann das jemand übersetzen?


Tabu 
von Miguel Gomes bekommt den ALFRED-BAUER-PREIS für neue Perspektiven der Filmkunst
'Ein Dialog mit dem Gedächtnis des Kinos'.
Hm. Sagen wir einfach 'Stilmix' dazu. 
Vorerst unbedingt ein Buch zum Lesen mit ins Kino nehmen und die Taschenlampe nicht vergessen. Richtungsweisend könnte der Film trotzdem sein, denn es gibt inzwischen ausreichend Filmstudenten, die Anwendungsmöglichkeiten ihres Wissens suchen. Mit diesem Preis wird der Weg frei für Rock-Blues-Punk-Indie-Thriller-Kömödien-Schlager Filme.


L'enfant d'en haut (Sister) von Ursula Meier bekommt den Sonderpreis
Das ist der schweizer Bengel Film, der Touristen beklaut während seine Schwester fremd geht.
Also in jedem Falle ein unterhaltsamer Film. Wie gut, dass es Sonderpreise gibt!
Richtig ist, dass der schweizer Rubel-Franken ständig überbewertet wird, während die menschliche Wirklichkeit auf gleichem Niveau verharrt. Hat was.




mw/   



 

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